Im 19. Jahrhundert traten Choleraepidemien regelmäßig in verschiedenen Städten Europas auf. Historiker nennen sie „die Geißel der Großstädte“. Die Menschen zog es damals in die Metropolen, um von den Errungenschaften der Zivilisation zu profitieren. Doch oft zahlten sie dafür mit ihrer Gesundheit oder sogar ihrem Leben, da Epidemien in großen Städten immer wieder ausbrachen.
Eine der Tragödien, die ganz Deutschland erschütterte, war die Choleraepidemie in Hamburg im Jahr 1892. Sie ging als Katastrophe in die Geschichte der Stadt ein, die Tausende von Menschenleben forderte. Mehr dazu auf ihamburg.eu.
Ursachen der Epidemie in Hamburg
Verheerende Choleraausbrüche forderten über einen langen Zeitraum das Leben von Erwachsenen und Kindern in Europa. Man vermutete, dass die Krankheit im Ganges-Tal in Südasien ihren Ursprung hatte. Im 19. Jahrhundert traten dort regelmäßig Epidemien auf. Allerdings erwähnten bereits Hippokrates und andere antike griechische Ärzte Fälle dieser Krankheit in Europa. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts setzte eine Welle kontinuierlicher Pandemien ein, von denen auch Deutschland nicht verschont blieb.
Obwohl es vor 1892 in Hamburg bereits Choleraausbrüche gegeben hatte, erreichte die Krankheit in diesem Jahr ein Ausmaß, das den Ausnahmezustand in der Stadt erforderte. Die Epidemie brach in den Sommermonaten aus, als ein ungewöhnlich heißer Sommer zu extrem hohen Wassertemperaturen in der Elbe führte. Diese Bedingungen förderten die Vermehrung der Choleraerreger.
Neben der extremen Hitze verschärfte auch das Fehlen eines Wasserfiltersystems die Lage. Der Senat hatte zwar jahrelang Projekte zur Wasserreinigung diskutiert, jedoch ohne Erfolg. Die Hamburger waren daher gezwungen, unbehandeltes Wasser aus der Elbe zu trinken. Gleichzeitig verschmutzten der Hafenbetrieb und industrielle Aktivitäten die Wasserqualität. Auch die unsachgemäße Entsorgung von Abwasser trug zur Verschmutzung bei.
Hinzu kamen die ärmlichen Verhältnisse in den Wohnvierteln Hamburgs im späten 19. Jahrhundert, wo viele Menschen unter unhygienischen Bedingungen lebten. Diese Faktoren zusammen führten dazu, dass die Choleraepidemie in Hamburg mit tödlicher Wucht zuschlug.
Die Ereignisse im August bis Oktober 1892

Als erster Erkrankter gilt ein Hafenarbeiter namens Saling, der im August 1892 vermutlich unbehandeltes Wasser aus der Elbe trank. Innerhalb weniger Tage wurden weitere Krankheitsfälle gemeldet. Die Erkrankten starben oft innerhalb von ein bis zwei Tagen an Dehydrierung und schwerem Durchfall, ausgelöst durch die Cholerabakterien. Die Behörden leugneten zunächst die Existenz der Epidemie, sodass den ersten Opfern keine genaue Diagnose gestellt wurde.
In den folgenden Wochen verbreitete sich die Epidemie rasant. Die Krankenhäuser waren überfüllt, und vor den zentralen Kliniken wurden provisorische Baracken errichtet, um die Erkrankten aufzunehmen. Im September, dem Höhepunkt der Epidemie, wurden täglich Hunderte neue Fälle gemeldet. Insgesamt infizierten sich innerhalb von drei Monaten mehr als 17.000 Menschen, von denen über 8.600 starben.
Besonders betroffen waren die ärmeren Bevölkerungsschichten. Ihre beengten und unhygienischen Wohnverhältnisse machten sie zur Hauptzielgruppe der Epidemie.
Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie

Ende August wandte sich der Hamburger Senat an das preußische Gesundheitsministerium, das den Arzt und Mikrobiologen Robert Koch nach Hamburg entsandte. Unter seiner Leitung wurde eine spezielle Kommission eingerichtet, die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie umsetzte. Zu diesen Maßnahmen gehörten:
- Schließung von Schulen, Kindergärten und öffentlichen Einrichtungen, insbesondere Unterhaltungslokalen;
- Entwicklung einer Therapie, die Salzsäure und Rizinusöl beinhaltete;
- Desinfektion von Wohnungen und Gebäuden mit Chlorkalk und anderen Substanzen;
- Bereitstellung von Trinkwasser, das abgekocht und in die Stadtteile verteilt wurde.
Bis November war die Epidemie eingedämmt, und Hamburg begann, langfristige Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit umzusetzen. Im Dezember 1892 wurde das Institut für Hygiene und Umwelt gegründet, und 1893 nahm eine Wasserfilteranlage den Betrieb auf. Zudem wurde die Position eines Hafenarztes geschaffen, der die Gesundheit von Neuankömmlingen überwachte.
Ein Denkmal für die Opfer
Im Innenhof des Hamburger Rathauses steht der Hygieia-Brunnen, ein Denkmal für die Opfer der Choleraepidemie. Er erinnert daran, dass Infektionskrankheiten keine Grenzen kennen und städtische Behörden stets wachsam sein müssen.
