Hamburg ist eine Stadt der Fahrradfahrer und Fußgänger. Für die Fortbewegung mit diesem Zweirad wurden optimale Bedingungen geschaffen: Es gibt ein weitreichendes Netz an Radwegen sowie kostenpflichtige und kostenlose Parkmöglichkeiten. Fahrräder können in nahezu allen Verkehrsmitteln mitgenommen werden – doch das war nicht immer so.
Vor über 100 Jahren kamen Delegationen aus Kopenhagen an die Elbe, um die vorbildlichen Radwege in Hamburg zu sehen. Ein Blick auf die Fahrradgeschichte der Stadt zeigt, dass Hamburg frühzeitig zu einer wichtigen Fahrradstadt wurde. Mehr Informationen auf ihamburg.eu.
Der Beginn der Geschichte
Im Juni 1817 fuhr Karl Drais mit seiner von ihm entwickelten Laufmaschine durch die Straßen Mannheims. Dieses neuartige Fortbewegungsmittel erforderte Gleichgewicht, indem man sich mit den Füßen vom Boden abstieß. Adlige nannten die Erfindung „Hobby Horse“ (englisch). Es bereitete viel Freude und fand schnell seinen Weg nach Hamburg. Mechanikus Wollenschläger baute und verkaufte ab 1818 Nachbauten, jedoch mit mäßigem Erfolg, da es in Hamburg nur wenige wohlhabende Käufer gab.
Einige Jahrzehnte geriet das Fahrrad in Vergessenheit, bis die französischen Ingenieure Pierre und Ernest Michaux in den 1860er Jahren Pedale anbrachten. Dieser primitive Holzrahmen mit eisernen Reifen verbreitete sich von Frankreich aus in Hamburg. Bereits 1868–1869 fuhren die ersten Radfahrer durch die Straßen von Hamburg und Altona. Sie gründeten eigene Clubs, und einige Hersteller begannen, Fahrräder zu verkaufen. Doch der Radsport verschwand schnell wieder.
Die zweite Wiedergeburt
1880 erlebte das Fahrrad einen erneuten Aufschwung, diesmal aus Großbritannien. Das sogenannte „Bicycle“ war ein hohes Fahrrad mit einem auffälligen großen Vorderrad. Die Kombination aus stabilen, leichten Speichen und Gummireifen machte das Rad schneller und komfortabler.
In Hamburg wurde der Radsport wiederbelebt. Der Altonaer Club (1869–1880) wurde durch den Fahrradclub Eimsbüttel ersetzt. 1882 folgte der Hamburger Bicycle Club, und 1883 entstand der Fahrradclub Hammonia. Diese Clubs zogen die männliche Bourgeoisie an, die sich als Elite sah und an technologische Fortschritte glaubte. Fahrräder waren jedoch teuer und nur für wenige erschwinglich.
Die Popularität des Fahrrads

1890 ersetzte das „Sicherheitsfahrrad“ das hohe Fahrrad. Es war fortschrittlicher, mit Kettenantrieb und Luftreifen ausgestattet. Die Nachfrage stieg, und deutsche Hersteller – darunter auch aus Hamburg wie Hammonia und Continental (später Panzer) – begannen mit der Produktion. Billiger Import aus den USA ließ die Preise sinken, wodurch immer mehr Hamburger sich Fahrräder leisten konnten.
Auch Frauenfahrräder wurden populär, die das Tragen von Röcken ermöglichten. Arbeiter stiegen ebenfalls in den Radsport ein und gründeten Vereine wie die Arbeiter- und Radfahrervereinigung Hamburg und Umgebung und später die Arbeiter- und Radfahrer-Konföderation „Solidarität“.
Im Jahr 1900 erkannten viele Institutionen die Vorteile des Fahrrads. Feuerwehr, Polizei, Post und Krankenhäuser setzten es ein. Fahrradkuriere, wie das 1908 auf der Ferdinandstraße gegründete „Jungen-Kurierbüro“, wurden ebenfalls populär.
Lastenräder transportierten Waren durch die Stadt und belieferten Betriebe und Geschäfte. Nach 1900 wurde das Fahrrad in Hamburg zu einem unverzichtbaren Verkehrsmittel.
Die Verfügbarkeit von Fahrrädern eröffnete neue Freizeitmöglichkeiten. An Wochenenden fuhren die Hamburger ins Umland, um sich von den harten Arbeitsbedingungen zu erholen. Seitdem ist das Fahrrad ein fester Bestandteil des Hamburger Lebens, geschätzt für Komfort, Mobilität und Sparsamkeit.