Ein Krankenhaus ist ein seltsamer Ort. Bei manchen weckt es Assoziationen an weiße Kittel und kalte Korridore, bei anderen an Hoffnung. Und nun stellen Sie sich eine Klinik vor, die die Einwohner Hamburgs bereits seit der Zeit behandelt, als sich die Stadt gerade erst von den Cholera-Epidemien erholte. Im Stadtteil Altona entstand das Krankenhaus schon Ende des 18. Jahrhunderts. Und heute gehört die Asklepios Klinik Altona zu den bekanntesten medizinischen Einrichtungen Norddeutschlands. Hier ist alles vorhanden: von schwerwiegenden chirurgischen Abteilungen über eine rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme bis hin zu einem Standort für die Ausbildung zukünftiger Ärzte. Und außerdem – Mauern, die viel mehr erlebt haben, als Sie und ich. Dieser Text auf ihamburg.eu handelt genau von ihnen und allem, was sich dazwischen abspielt.
Die Asklepios Klinik Altona vom 18. Jahrhundert bis heute
Die Asklepios Altona blickt auf über 2,5 Jahrhunderte medizinischer Geschichte zurück. Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1784 zurück – damals entstand in dem Stadtteil das erste städtische Krankenhaus, das als eines der modernsten im damals noch dänischen Hamburg galt (Altona gehörte zu dieser Zeit noch nicht zur Stadt).
Im 19. Jahrhundert wurde die Klinik schrittweise ausgebaut, man fügte einzelne Gebäude hinzu, und schließlich entwickelte sie sich zu einer Art regionalem Mehrzweckkrankenhaus. Hier wurden Soldaten, Bedürftige, manchmal sogar Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt. (Allerdings gibt es in Hamburg auch spezialisierte psychiatrische Kliniken, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Ashworth haben – einem Krankenhaus in einem von der britischen Stadt Liverpool kontrollierten Bezirk). Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es bereits als Allgemeines Krankenhaus Altona bekannt.
Grundlegende Veränderungen begannen Ende der 1960er Jahre, als die Behörden entschieden, dass Hamburg einen neuen medizinischen Standort benötigte – kompakt, praktisch geplant und technologisch modern. Im Jahr 1971 wuchs auf dem Gelände des alten Krankenhauses ein mehrstöckiger Betongigant empor – das damalige Musterbeispiel medizinischer Architektur. Von diesem Moment an hörte das alte Krankenhaus auf, als historisches Objekt zu existieren, und wurde Teil des neuen Systems.
Im Jahr 2005 wurde es Teil des Asklepios-Netzwerks und erhielt den neuen Namen – Asklepios Klinik Altona. Trotz der Namensänderung nennen viele in der Stadt es immer noch beim alten Namen – Altonaer Krankenhaus.
Architektur als Spiegel der Medizin

Wenn in Deutschland über medizinische Innovationen nachgedacht wird, meint man in der Regel Geräte, Behandlungsmethoden oder digitale Systeme. Doch in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts galt das Krankenhausgebäude selbst als Innovation. Genau so war die neue Altona konzipiert – kompakt, vertikal, ohne unnötige Übergänge und mit minimalen Entfernungen zwischen Operationssälen, Patientenzimmern und der Diagnostik.
Zum Zeitpunkt der Eröffnung im Jahr 1971 war es eine echte architektonische Sensation: ein Beton-Wolkenkratzer, mit klarer Planungslogik und ernstzunehmender Funktionalität. Alle Abteilungen – unter einem Dach, wie es sich für einen Stadtgiganten gehört. Übrigens wurden ähnliche Ansätze damals auch in anderen deutschen Kliniken praktiziert – zum Beispiel in Heidelberg oder Berlin.
Doch die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Fünfzig Jahre nach der Eröffnung erinnert dieser funktionale Gigant immer häufiger eher an sowjetische Krankenhäuser als an moderne medizinische Zentren. Und das liegt nicht einmal an der Fassade, obwohl auch diese veraltet ist. Das Hauptproblem liegt in den veränderten Standards: Heute werden Kliniken anders gebaut, mit mehr Raum für den Patienten, flexibleren Routen für das Personal, einem Bereich für Privatsphäre in den Zimmern und komplexeren Belüftungsströmen.
Bei Asklepios erkannte man dies in den 2020er Jahren – und begann Diskussionen: den Komplex renovieren oder neu bauen. Eine Sanierung ist teuer, aber auch ein Umzug ist keine einfache Aufgabe. Daher existiert die Klinik zum Zeitpunkt des Verfassens des Artikels in einer Art architektonischer Zwischensaison: funktional, aber mit Zügen der Vergangenheit.
Was in der Klinik behandelt wird: Fachgebiete und Kompetenzen

Wenn man wahllos auf einen Knopf am internen Terminal der Asklepios Altona klickt, öffnet sich höchstwahrscheinlich die Seite irgendeiner Abteilung, denn davon gibt es hier wirklich viele. Dies ist eines jener Krankenhäuser, in denen man in der Notaufnahme beginnen und innerhalb von zwei Tagen auf dem Operationstisch landen, eine Rehabilitation durchlaufen und eine Ernährungsberatung erhalten kann – und das alles, ohne das Gebäude zu verlassen. Im Hinblick auf das Spektrum medizinischer Dienstleistungen entspricht die Einrichtung voll und ganz dem Status einer Klinik der höchsten Versorgungsstufe.
Die Hauptfachgebiete sind Allgemeinchirurgie, Gastroenterologie, Neurochirurgie, Onkologie, Gynäkologie und Innere Medizin. Es gibt Kardiologie, Pulmonologie und Neurologie. Ein besonderer Stolz ist das Zentrum für kolorektale Chirurgie, wo im Herbst 2024 zum ersten Mal in Deutschland das innovative israelische Gerät CG‑100 eingesetzt wurde. Hinter diesen technischen Begriffen verbirgt sich die tägliche Praxis der Arbeit mit ziemlich komplexen Fällen.
Eine weitere Stärke ist die Notfallversorgung. Laut städtischer Statistik gehört die Notaufnahme Altona zu den drei am stärksten ausgelasteten in Hamburg. Das bedeutet, dass hier Unfallopfer, Menschen mit Herzinfarkten und akuten chirurgischen Notfällen eingeliefert werden.
Auf dem Gelände der Klinik sind auch interdisziplinäre Zentren tätig. Zum Beispiel vereint das Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe Geburtshelfer, Neonatologen und Anästhesisten zu einem einzigen Team, das Risikogeburten betreut. Und das alles ist Teil des normalen Krankenhausalltags.
Die Rolle der Asklepios Altona in Bildung und Internationalität

In der Asklepios Altona trifft man regelmäßig auf jene, die noch keine weißen Kittel tragen, aber bereits wissen, wie ein Blinddarm im Querschnitt aussieht. Die Klinik ist offizieller Standort für Studierende der Universität Hamburg – angehende Mediziner, die hier Praktika absolvieren, Vorlesungen besuchen und, was am wichtigsten ist, den Umgang mit lebenden Menschen erlernen.
Neben den deutschen Studierenden trifft man in der Klinik oft auch auf Ausländer. Asklepios ist eines der wenigen Krankenhäuser in der Region, das einen umfassenden Service für internationale Patienten bietet. Und dabei geht es nicht nur um Ärzte, die Englisch verstehen. Hier gibt es ein separates Begleitteam für Ausländer, angepasste Dokumente, Informationsbroschüren und eine separate Kommunikationslinie für diejenigen, die sich behandeln lassen, während sie außerhalb Deutschlands wohnen.
Hinzu kommt die Mobilität des Personals. Im Krankenhaus arbeiten oft Fachleute aus anderen Ländern – entweder fest angestellt oder als Praktikanten bzw. Teilnehmer an Austauschprogrammen. Für die Patienten bedeutet das einen angenehmen Bonus: die Chance, in die Hände eines Spezialisten zu gelangen, der in mehreren Gesundheitssystemen ausgebildet wurde.
Die Zukunft des Krankenhauses: Welche Probleme gibt es

Selbst das beste Krankenhaus kann die Hauptdiagnose jeder großen Institution nicht vermeiden – die Alterung. Und während dies bei der Technik noch irgendwie durch die Erneuerung der Geräte oder den Kauf neuer Software gelöst werden kann, ist es bei den Gebäuden schwieriger. Die Asklepios Altona ist seit langem sanierungsbedürftig. Immer häufiger ist die Meinung zu hören: Der Komplex aus den 1970er Jahren wird den Standards des 21. Jahrhunderts nicht mehr gerecht.
Eine Renovierung ist, wie wir bereits erwähnt haben, eine komplizierte Sache. Denn ihre Besonderheiten sind durch die Zeit bedingt und umfassen Anforderungen an Energieverbrauch, Sicherheit, Personal-Logistik und Patientenkomfort. Einen Teil der Systeme hat das Krankenhaus bereits erneuert, doch angesichts des Alters des Gebäudes bleibt die Frage nach einer grundlegenden Veränderung offen. Eine der in Hamburg diskutierten Optionen ist der Neubau der Klinik an einem anderen Standort. Das Problem dabei ist, dass dieser Ort für Verkehr, Krankenwagen, Fußgänger und benachbarte Kliniken zugänglich gemacht werden muss.
Eine gesonderte Geschichte – das Gleichgewicht zwischen Rentabilität und Menschlichkeit. In Hamburg gibt es zum Beispiel NABU – eine Nichtregierungsorganisation, die sich uneigennützig um Vögel kümmert. Asklepios ist eine private medizinische Kette. Und obwohl Altona den Ruf eines sozial verantwortlichen Akteurs genießt, tauchen in den Medien von Zeit zu Zeit kritische Anmerkungen zur Ökonomisierung des medizinischen Prozesses auf. Bezahlte Dienstleistungen, Optimierung von Stellen, Verkürzung der Behandlungszeit – all das führt zu lebhaften Diskussionen, insbesondere unter dem älteren Personal.
Daher hängt die Zukunft der Klinik stark von der Wahl des Modells ab. Finanzierung oder Renovierung – das alles ist natürlich wichtig, aber nicht das Wichtigste. Ein modernes Krankenhaus sollte nicht nur für das Management bequem sein. Hier muss noch eine Formel gefunden werden, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen.