9 Februar 2026

Medizinische Hilfe für Geflüchtete in Hamburg

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Geflüchtete (insbesondere aus der Ukraine), die nach Hamburg kommen, stehen vor Dutzenden von Alltagsfragen – und die medizinische Versorgung gehört zu den heikelsten. Was tun, wenn man krank wird, aber noch keine Krankenversicherung hat? An wen wendet man sich, wenn die Dokumente gerade in Bearbeitung sind und die Wartezeit beim Arzt Wochen beträgt? Das deutsche Gesundheitssystem hat viele Nuancen, aber in Hamburg gibt es ein ganzes Netzwerk von Diensten, das auch jenen hilft, die ihre Formalitäten noch nicht klären konnten. Was genau angeboten wird, wie alles funktioniert und was man in der Praxis erwarten kann – das beleuchten wir im Folgenden auf ihamburg.eu.

Medizinischer Zugang für Geflüchtete: Was der Staat garantiert

In den ersten Monaten nach der Ankunft haben ukrainische Geflüchtete in Deutschland Anspruch auf eine grundlegende medizinische Versorgung. Dazu gehören die Behandlung akuter Erkrankungen, eine minimale Unterstützung bei chronischen Krankheiten sowie Hilfe bei Schwangerschaft oder Geburt. Alles, was ein Arzt als „unumgänglich“ ansieht. Es ist nicht umfassend, aber zumindest kostenlos.

In Hamburg ist das System etwas einfacher als im Bundesdurchschnitt: Die Stadt stellt Geflüchteten unmittelbar nach der Registrierung spezielle Gesundheitskarten aus. Mit dieser Karte kann man sich an normale Ärzte – Hausärzte, Zahnärzte, Kinderärzte – wenden und muss sich keine Sorgen um die Rechnung nach dem Besuch machen. Wenn eine Untersuchung oder ein Facharztbesuch erforderlich ist, stellt der Hausarzt die Überweisung aus. Im Falle von etwas Ernstem (Verletzung, akute Schmerzen) geht man direkt ins Krankenhaus oder ruft einen Krankenwagen.

Wichtig ist: Es muss vor Ort kein Geld bezahlt werden. Die Gesundheitskarte ist Ihre Eintrittskarte in das System. Aber auch hier gibt es eine Nuance: Dieses Schema gilt für diejenigen, die bereits in der Stadt registriert sind und einen Antrag auf vorübergehenden Schutz gestellt haben. Wenn Sie dies noch nicht getan haben, lesen Sie im nächsten Abschnitt, was zu tun ist.

Was tun, wenn keine Versicherung oder Dokumente vorhanden sind

Die Situation, dass eine Person ankommt, krank wird und die formalen bürokratischen Verfahren noch nicht durchlaufen hat, ist keine Seltenheit. In Hamburg wird dem Rechnung getragen. Für diejenigen, die weder eine Versicherung noch einen legalen Status haben, gibt es die spezielle Dienststelle Clearingstelle Gesundheitsversorgung. Ihre Aufgabe ist es nicht, Vorträge zu halten, sondern praktisch zu helfen: damit der Geflüchtete die Situation einschätzen und zum richtigen Arzt gelangen kann. Sie helfen auch dabei, die Bezahlung über Sozialfonds oder die Stadtkasse zu regeln. Alles ist maximal vertraulich, die Sprachbarriere ist kein Problem, es gibt Dolmetscher.

Eine weitere nützliche Einrichtung für Geflüchtete ist die Praxis ohne Grenzen. Hier werden Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos behandelt. Es gibt Ärzte verschiedener Fachrichtungen: vom Hausarzt bis zum Gynäkologen oder Dermatologen. Normalerweise funktioniert alles nach Terminvereinbarung, aber in dringenden Fällen kann man direkt hingehen.

Für Kinder, Schwangere und Menschen mit Behinderung gilt eine besondere Priorität, manchmal können sie ohne Wartezeit behandelt werden. Dies bedeutet aber auch eine aufmerksamere Betreuung durch das Personal, separate Sprechstunden und manchmal sogar die Begleitung durch einen Sozialarbeiter. All diese Dienste wurden gerade geschaffen, um Menschen in unsicheren Situationen zu helfen und sie nicht mit einem Formular in der Hand zurückzuschicken.

Qualität der Versorgung: Übersetzung, Umgang, Unterstützung

Natürlich ist die deutsche Medizin eine mächtige Sache, aber nicht immer einfach zu navigieren. Eine Operation wird qualitativ hochwertig durchgeführt, aber um Hilfe zu bekommen, muss man oft Überzeugungsarbeit leisten. Und wenn man in einem fremden Land ist, mit einer anderen Mentalität und einem anderen Verständnis des Gesundheitssystems, können berechtigte Zweifel bestehen, ob man richtig verstanden wird. In Hamburg wird auch daran gearbeitet. In den meisten staatlichen Kliniken und einigen sozialen Einrichtungen sind Dolmetscher vorgesehen – persönlich oder per Videoanruf. Dies hilft, unnötige Nervosität und Kommunikationsfehler mit dem Arzt zu vermeiden.

Besonders gut funktioniert das bei der psychologischen Hilfe – dort, wo es wichtig ist, nicht nur eine Diagnose zu stellen, sondern den Menschen wirklich zu hören. In Hamburg gibt es mehrere Zentren, die Geflüchteten psychosoziale Unterstützung bieten, insbesondere jenen, die Krieg, Verlust oder erzwungene Umsiedlung erlebt haben. Der Zugang ist auch ohne Versicherung möglich, obwohl man manchmal etwas warten muss.

Insgesamt bewerten Patienten laut lokalen Studien die Qualität dieser Versorgung als hoch, besonders wenn eine Übersetzung und ein aufmerksamer Umgang geboten werden. Einfacher gesagt: Wenn es nötig ist, sollte man hingehen und nicht bis zuletzt warten.

Wohin wenden: Nützliche Adressen und Kontakte

In der Theorie klingt alles gut, aber was soll man in der Praxis tun? Die einfachste Option ist, sich an das örtliche Zentrum für Geflüchtete oder die Sozialbehörde zu wenden. Dort erfahren Sie, wo der nächste Arzt ist, wie Sie eine Gesundheitskarte erhalten und was zu tun ist, wenn Sie vor der Registrierung krank werden. Oft werden gerade Sozialarbeiter zu Vermittlern zwischen dem Patienten und dem System.

Hier sind einige Adressen, die man unbedingt kennen sollte:

  • Clearingstelle Gesundheitsversorgung Ausländer – Konrad-Adenauer-Straße 10. Hier wird ohne Dokumente oder Versicherung geholfen.
  • Praxis ohne Grenzen Hamburg – Seewartenstraße 10. Kostenlose Konsultationen, verschiedene Spezialisten verfügbar. Eine vorherige Terminvereinbarung ist hier zwingend erforderlich.
  • Centra e.V. koordiniert psychologische Hilfe für Menschen mit Traumaerfahrung, sprachliche Unterstützung ist verfügbar.

Darüber hinaus betreiben viele ehrenamtliche Organisationen in Hamburg Telegram-Kanäle oder Websites mit aktuellen Informationen in ukrainischer Sprache. Dort finden Sie Kontakte zu Ärzten, bei denen eine Übersetzung verfügbar ist, und sogar Ratschläge, wie Sie Symptome richtig auf Deutsch formulieren.

Die Medizin hier ist natürlich anders – etwas formaler, etwas langsamer. Ukrainische Geflüchtete beklagen, dass manche Ärzte Kranken sagen, sie seien gesund. Aber das Wichtigste ist, vor Schwierigkeiten nicht aufzugeben und die Option zu suchen, die zu Ihnen passt. Vielleicht erhalten Sie eines Tages Hilfe in der Asklepios Altona oder entscheiden sich, Ihren Wohnsitz in das ehemals deutsche, heute polnische Breslau zu verlegen und erhalten Hilfe im dortigen Militärkrankenhaus.

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